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Historie der Geologischen Vereinigung e.V.,
gegründet am 08.01.1910 in Frankfurt a.M.

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Bericht über die 1. Versammlung der Geologischen Vereinigung 08.01.1910,
aus Geologische Rundschau, Band 1, Heft 1, 1910

Am 8. Januar fand im Senckenbergischen Museum zu Frankfurt a.M. die Gründungs-Versammlung der Geologischen Vereinigung statt. Herr Kayser (Marburg) begrüßte die in großer Zahl erschienenen Geologen und Freunde unserer Wissenschaft, die zum Teil von weither herbeigeeilt waren und setzte in kurzen Worten die Ziele der Vereinigung auseinander. Nach freundlichen Begrüßungsworten der Herren Zur Strassen (im Auftrage der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft) und E. Naumann (im Namen des Geologischen Vereins Frankfurt) wurde der Satzungsentwurf durchberaten und mit geringen Änderungen und Einschaltungen genehmigt. Die anschließende Vorstandswahl ergab die Annahme der von Herrn Steuer (Darmstadt) vorgeschlagenen Liste.

1. Vorsitzender: E. Kayser (Marburg)
Stellvertret. Vorsitzender: Ch. Barrois (Lille)
Stellvertret. Vorsitzender: G.A.F. Molengraaff (Haag)
Stellvertret. Vorsitzender: A. Rothpletz (München)
Stellvertret. Vorsitzender: V. Uhlig (Wien)
Schriftführer: Fr. Drevermann (Frankfurt a.M.)
Stellvertret. Schriftführer: R. Richter (Frankfurt a.M.)
Redakteur: G. Steinmann (Bonn)
Mitredakteur: W. Salomon (Heidelberg)
Mitredakteur: O. Wilckens (Bonn)
Kassenführer: H. Schulze-Hein (Frankfurt a.M.)

Mit lebhaftem Beifall wurden die herzlichen Begrüßungsworte aufgenommen, die die Herren E. Suess und V. Uhlig (Wien) sowie Herr E. Holzapfel (Straßburg) der Versammlung gesandt hatten und einstimmig wurde der Vorschlag des Vorsitzenden angenommen, Herrn E. Suess zu bitten, den Ehrenvorsitz der neuen Vereinigung zu übernehmen. (Der gefeierte Geologe nahm die Ehrung mit warmen telegraphischen Dankesworten am folgenden Tage an.) Ganz besonders aus den Kreisen der Lehrerschaft waren von nah und fern zahlreiche Anmeldungen, zum Teil mit Worten der begeisterten Zustimmung eingelaufen und der Vorsitzende konnte mit Recht darauf hinweisen, dass das Ziel der Geologischen Vereinigung sicherlich ein gutes sein müsse, da am Schluss der Sitzung schon über 150 Mitglieder ihren Beitritt erklärt hatten.
Sodann berichtete Herr Steinmann (Bonn) ausführlich über seine Verhandlungen mit verschiedenen Verlegern und legte schließlich einen Verlagsentwurf der Firma Wilhelm Engelmann, Leipzig, vor, der nach kurzer Besprechung und Erläuterung von der Versammlung genehmigt wurde. Dann schloss der Vorsitzende den geschäftlichen Teil mit den Worten des Dankes für die rege Teilnahme an den Beratungen.
Nach einer Pause hielten die Herren Steinmann und Wilckens (Bonn) sowie Salomon (Heidelberg) je einen kurzen Vortrag über einzelne Kapitel aus dem letzten Bande von Suess’ Antlitz der Erd. (Vgl. die Wiedergabe im 1. Heft der Geol. Rundschau.) Abends fand in einem gemütlichen Beisammensein im Hause des Kaufmännischen Vereins die erste Versammlung der Geologischen Vereinigung ihren Abschluss.
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Die Ziele der Vereinigung wurden in folgendem Aufruf niedergelegt:
Es ist schon vielfach von Vertretern und Freunden der Geologie als ein Nachteil empfunden worden, dass es in Deutschland an einem zusammenfassenden Organe für die großen geologischen Fragen fehlt. In dem Maße wie die verschiedenen Gebiete der Geologie an Umfang zunehmen und die in- und ausländische Literatur wächst, verlieren sich die geologischen Fortschritte in zahlreichen Lokalbeschreibungen, in stratigraphischen, paläontologischen, petrographischen, mineralogischen und praktisch-geologischen Spezialarbeiten, die unsere Zeitschriften füllen. So wird es nicht nur für den Lehrer und Liebhaber, sondern auch für den Fachmann von Tag zu Tag schwieriger, das Wichtige aus der Fülle von Einzelarbeiten herauszulesen. Gerade heute, wo das Interesse für Geologie in weiten Kreisen, besonders auch der Lehrerschaft und der Bergleute, täglich wächst und wo die Aussicht besteht, dass die Geologie als besonderer Unterrichtsgegenstand in den Schulen eingeführt wird, erscheint ein besonderes Organ, welches nur die großen Fortschritte der Geologie bringt, als dringendes Bedürfnis, damit auch der Lehrer enge Fühlung mit den wesentlichen Fragen unserer Wissenschaft behalten kann. heute ist der dafür im wesentlichen auf geographische Zeitschriften mit angewiesen. Nun lässt sich ja nicht verkennen, dass die moderne Geographie durch geomorphologische Forschung an den Fortschritten der allgemeinen Geologie in erheblichem Maße beteiligt ist; aber dieser Umstand hat in Verbindung mit dem Mangel einer Konzentrierung der allgemeinen geologischen Interessen dazu geführt, dass man heute vielfach in der Geographie auch die vor allem berechtigte Vertreterin der allgemein geologischen Forschungen erblickt. Diese ungünstige Verschiebung der Verhältnisse zu beseitigen, erscheint als eine Pflicht der Geologen.

Auf folgende Weise hofft die neu gegründete Geologische Vereinigung den erwähnten Missständen begegnen zu können:
1. durch Schaffung eines Organs, das alle Zweige der Geologie, insbesondere die Interessen der allgemeinen Geologie vertritt. Dies Organ soll in erster Linie zusammenfassende Übersichten über die Fortschritte auf allen Gebieten der geologischen Wissenschaft in verständlicher Form, daneben auch Originalaufsätze allgemeinen Inhalts bringen. Auch sollen Mitteilungen über neue wichtige Vorgänge auf geologischem Gebiete sowie über die Hilfsmittel und die Methodik des geologischen Unterrichts in Schulen, Museen und Hochschulen Aufnahme finden;
2. durch eine Vereinigung der daran interessierten Fachleute, Lehrer und Freunde der Wissenschaft, als deren Organ die genannte Zeitschrift – „Geologische Rundschau“ – herausgegeben wird. Unsere Vereinigung soll weder mit irgend einer der bestehenden nationalen geologischen Gesellschaften noch mit den zahlreichen Lokalvereinen in Wettbewerb treten, sondern soll diese nur in zweckentsprechender Weise ergänzen.
Als weitere Aufgaben sind vorgesehen:
3. die Veranstaltung von Lehrkursen und Exkursionen;
4. das Zusammenstellen geeigneter geologischer Lehrmittel für Schulen und Hochschulen.

Wir erlauben uns, Sie zum Beitritt zur Geologischen Vereinigung, die am 8. Januar 1910 in Frankfurt a.M. gegründet ist, einzuladen und fügen die Satzungen bei.

Der Vorstand:
(Folgen die Unterschriften des Vorstandes)

 

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