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„Alfred Wegener Tage“ in Ummannaq, Grönland PDF Print E-mail
„Alfred Wegener Tage“ in Ummannaq, Grönland, am 4. und 5. Oktober 2005
                                
Zu Ehren des 125. Geburtstages und des 75. Todestages Alfred Wegeners hatte der Leiter des Kulturamtes der Region Ummannaq, Kunuunnguaq Fleischer, in den Ort eingeladen, den Wegener im Rahmen seiner Expeditionen häufig besucht hat. Der Ort Ummaannaq (71°40'N) liegt rund 40 sm südlich vom Qaumarujuk (Kamaruruk) Gletscher entfernt, den die Wegenerschen Expeditionen 1929 und 1930 zum Aufstieg auf das Inlandeis benutzte (Abb. 1).
                                           
1930 hatte Wegener längs des 72. Breitengrades drei Stationen eingerichtet: die sogenannte Weststation am Qaumarujuk (Haus Scheideck), die im Zentrum des Inlandeises gelegene Station Eismitte und die Oststation im Scoresbysund. Eines der wissenschaftlichen Ziele war es, mit Hilfe dieser Stationen für mindestens ein volles Jahr meteorologische Daten zu sammeln. Ein Datenaustausch der drei Stationen untereinander war Teil des Programms.
                                       
                                        
Abb. 1 „Übersichtskarte von Grönland“ aus „Wissenschaftliche Ergebnisse der Deutschen Grönland-Expedition Alfred Wegener 1929 und 1930/31“,
Band 1 S. 2, Brockhaus Leipzig 1933, 198 S. Die handschriftlichen Eintragungen auf der Karte stammen von dem Expeditionsmitglied Fritz Loewe (1895-1974). Außerhalb des Kartenrandes sind weitere kritische Anmerkungen zu finden.
                              
Beginnend im Mai 1930 sollte mit einer Seeeisentladung des Schiffes Gustav Holm am Eingang des Perdlerfiup Fjordes (bei Wegener stets Ingneritfjord genannt) in der Nähe der Siedlung Uvkusigssat Material direkt an den Rand des Kamarujuk Gletschers gebracht und von dort auf das Plateau des Inlandeises transportiert werden. Das Meereis, zwar zu dick um durch die Gustav Holm gebrochen zu werden war aber, speziell im Inneren des Fjordes, schon zu brüchig, um eine systematische Meereisentladung vorzunehmen. Erst nach sechs Wochen zermürbender Wartezeit und Zwischenlagerung der Ladung in Uvkussigssat gelang es mit Hilfe des kleinen Motorschoners Hvidfisken und dem Expeditionsboot Krabbe und einem Leichter das Material einschließlich der 25 Islandponies samt Heu an ihren Bestimmungsort zu bringen.
                                         
Die eingetretene Verzögerung des Transportes von Geräten, Material, Verpflegung und Brennstoff war nicht mehr aufzuholen, worunter speziell die Einrichtung der Station Eismitte zu leiden hatte. Auf der Station arbeiteten bereits Johannes Georgi (1889-1972) und Ernst Sorge (1899-1946). Wegener versuchte Mitte September noch eine vierte groß angelegte Versorgungsfahrt nach Eismitte durchzuführen. Die Expedition, die mit 130 Hunden und 15 Hundeschlitten und über 4000 kg Last am 21. September startete, musste bei 151 km Randabstand endgültig als gescheitert betrachtet werden. Lediglich Wegener, Rasmus Villumsen (1909-1930) und Fritz Löwe (1895-1974) setzten die Reise fort. Die Station wurde ohne nennenswerte Nutzlast am 30. Oktober um 11 Uhr vormittags erreicht (bei -52°C). Wegeners Mitarbeiter Johannes Georgi (1888-1972) und Ernst Sorge (1899-1946), hatten sich trotz der unvollkommenen Ausrüstung inzwischen zu einer Überwinterung entschlossen und zu diesem Zweck eine Höhle in den Firn gegraben. Einvernehmlich konnte man feststellen, dass der Proviant für eine Überwinterung für drei Personen ausreichen würde. Loewe hatte sich in den letzten Reisetagen an den Füßen derart schwere Erfrierungen zugezogen, dass an seine Rückreise nicht zu denken war.
                                       
Am 1. November vormittags brachen Wegener und Villumsen mit 17 Hunden und zwei Schlitten zur Rückreise auf, nachdem man zuvor Wegeners 50. Geburtstag gefeiert hatte. Die Rückreise wurde trotz der Kälte und der Dunkelheit als durchführbar angesehen, da die Strecke ausgeflaggt und mit Depots versehen war, ferner weil man tendenziell mit Rückenwind und Abwärtsneigung fahren konnte. Wegener hatte zudem von seinen Expeditionen 1906/08 viel Erfahrung mit langen Winterschlittenreisen. Aber weder Wegener noch Villumsen erreichten die Westküste. Wegeners Leiche wurde, durch Villumsen sorgfältig im Eis bestattet, bei km 191 im Frühjahr 1931 unmittelbar an der Strecke zwischen Eismitte und Weststation gefunden. Villumsen muss noch mindestens zwei Tagesreisen weiter gezogen sein. Dann verliert sich auch seine Spur. Er hatte Wegeners Expeditionstagebuch an sich genommen.
                                   
Von der Weststation war unterdessen eine Entsatzexpedition aufgebrochen, die verabredungsgemäß bei km 62 wartete und sich zwischenzeitlich bis km 80 vorschob. Die Expedition, bestehend aus Manfred Kraus, Karl Weiken, Mathius Simeonsen und Johann Villumsen (ein Bruder von Rasmus) hielt sich hier bis zum 7. Dezember in der sog. Randzone unter extremen Bedingungen auf und versuchte mit allen möglichen Maßnahmen, die Ansteuerung der Küste für Wegener und Villumsen sicher zu gestalten. Villumsens und Wegener Tod wurden im Mai 1931 konstatiert. Die wissenschaftlichen Ziele der Expedition wurden gemäß der Wegenerschen Intention konsequent weiterverfolgt. 
                                    
Mit den “Wegener Tagen“ gedachte die Gemeinde von Ummannaq des großen Wissenschaftlers und seines Begleiters. Vor allem Bewohner des Ortes und die Repräsentanten der Kommune, unter ihnen auch Angehörige des mit Wegener ums Leben gekommenen Rasmus Villumsen waren zur offiziellen Feier am 5. Oktober 2005 in das Museum des Ortes geladen. Dort werden die Reste Expeditionsmaterials von 1930 aufbewahrt und dort wird mit einer Gedenktafel an Alfred Wegener und seine Expedition erinnert (Abb. 2). Auch eine vierköpfige deutsch / dänische Delegation war der Einladung von Kunuunnguaq Fleischer gefolgt. Vertreter des Alfred Wegener Instituts für Polar- und Meeresforschung Bremerhaven, des Instituts für Ostseeforschung Warnemünde und des Geologischen Dienstes von Dänemark und Grönland Kopenhagen waren nach Ummannak gekommen, um dort an das Wegenersche Werk zu erinnern, wo die Ereignisse der Expeditionen von 1929-31 erstaunlich präsent sind.
                                
                               
Abb. 2 Wegener Plakette und Reste der Ausrüstung Wegeners letzter Expedition im Museum von Ummannaq am 5. Oktober 2005 (Foto: N. Mikkelsen)
                                            
Neben der offiziellen Veranstaltung im Museum, die mit der Niederlegung eines Kranzes an der Wegener Gedenktafel ihren Höhepunkt fand (Abb. 2), standen Vorträge für die Öffentlichkeit zur Persönlichkeit Alfred Wegeners und zum Thema „Klimawandel“ auf dem Programm. Fischer, Lehrer und Schulkinder bildeten das Publikum der wissenschaftlichen Vorträge am 4. Oktober in der Schule des Ortes. Mit viel Interesse wurden die Erläuterungen über Ursachen und Verlauf des globalen Klimawandels kommentiert. Hier an der Grenze des ewigen Eises werden Änderungen der atmosphärischen Temperatur besonders deutlich. Der kontinuierliche Rückzug der Eisgrenze auf dem Festland, vor allem aber die winters zunehmend fehlende Eisdecke der Fjorde betreffen das Leben der Menschen hier unmittelbar. Das Ökosystem der Arktis, das den Menschen hier die Lebensgrundlage liefert, reagiert sensibel auf die Änderungen von Temperatur und atmosphärischer Zirkulation. Und so verfolgen die Bewohner Grönlands Forschungsergebnissen zum Thema „Global Change“, das auch Inhalt der Lehrprogramme an den Schulen ist, besonders aufmerksam.
                                   
Den Aufenthalt in Grönland nutzte die deutsch–dänische Delegation gleichzeitig, um mit Mitarbeitern des Grönland Instituts für Natürliche Ressourcen in Nuuk ein Projekt zur Untersuchung von Klima- und Umweltwandel in Westgrönland während des Holozäns anhand der Sedimente in Fjorden und auf dem Schelf zu verabreden. Mit diesem Forschungsprojekt wollen Geowissenschaftler aus Deutschland und den Skandinavischen Ländern einen Beitrag zum Internationalen Polarjahr 2007 leisten.
                                      
Jan Harff1, Reinhard A. Krause2, Naja Mikkelsen3, Jörn Thiede2
1Institut für Ostseeforschung Warnemünde
2Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven
3Geological Survey of Denmark and Greenland, Copenhagen
 
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