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Eine "Prof.-Cloos-Straße" in Röhrnbach im Bayerischen Wald PDF Print E-mail

Auf Antrag von Herrn Friedrich Pfaffl aus Zwiesel wurde im Jahr 2005 in Röhrnbach im Passauer Wald/Bayrischer Wald eine Straße nach dem Geologen Hans Cloos benannt.

Hans Cloos begründete hier 1922/23 seine Granit-Tektonik an den Graniten in Hauzenberg und Tittling.

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Hans Cloos (1885-1951) hat bekanntlich nach seinen ersten granittektonischen Arbeiten im Erongo-Gebirge im damaligen Deutsch-Südwest-Afrika (Namibia) im Jahr 1911, nach dem 1. Weltkrieg im schlesischen Riesengebirge, dann im Passauer Wald (Niederbayern) gemeinsam mit seinen Schülern Balk, Cloos Ernst und Scholtz in den Sommern und Herbste der Jahre 1922 und 1923 granittektonische Studien an den beiden großen Intrusivgebieten von Fürstenstein und Hauzenberg ausgeführt. Jeder der drei Studenten hatte vom Chef Hans Cloos ein eigenes Untersuchungsgebiet zugewiesen bekommen und alle drei schlossen mit den Untersuchungsergebnissen als Dissertationen ihr Geologie-Studium an der Breslauer Universität ab.

Sie lösten damals mit ihrer tektonischen Analyse den Komplex des Passauer Waldes in die zwei selbständigen geologischen Intrusivkörper von Fürstenstein/Saldenburg und Hauzenberg/Waldkirchen auf. Die ersten Bearbeiter GÜMBEL (1868) und FRENTZEL (1911) hatten den Passauer Wald von Saldenburg bis zum Hauzenberger Granitmassiv noch als ein geschlossenes Granitgebiet angesehen. Zu dieser fälschlichen Deutung verführte der Umstand, dass die Gneise des Ilzgebirges zwischen den beiden Granitmassiven infolge einer eozänen Rumpfflächenbildung tief erodiert und von Lößlehmen bedeckt sind. Die recht wiederstandsfähigen Ganggranite erscheinen bei Kartierungsarbeiten stets wegen ihrer häufigen Blockbildung und großen Blocksteuung weiter verbreitet, als es ihrem wirklichen Vorkommen (Fig. 2) entspricht. Die Cloos'schen Tagesbücher Nr. 27 1922/23 - Bayerischer Wald - befinden sich unter der Archivnummer 12700 im Geologen-Archiv der Geologischen Vereinigung an der Universitätsbibliothek Freiburg/Breisgau.

Fig. 2 Schematische Strukturkarte des Passauer Waldes mit dem Lineament der Pfahlzone im Norden (aus H Cloos et al. 1927). Die prädioritischen Gesteine sowie die beiden großen Granitmassive von Fürstenstein /Saldenburg (links) und Hauzenberg/Waldkirchen (rechts) sind weiß gelassen. Die vielen kleinen Granitstöcke (punktiert) sind nur ganz schematisch dargestellt, in Wirklichkeit viel zahlreicher. Die Dioritlinsen sind schwarz gezeichnet.

Im Kapitel Paul und Peter (Seiten 296 - 298) im "Gespräch mit der Erde" befasst sich H. Cloos mit dem Aufenthalt 1922/23 in Röhrnbach: "In den Jahren nach dem ersten großen Kriege finden wir sie (Balk, Cloos, Scholtz) in den Gebirgen zu beiden Seiten der Masse Böhmen, Granit und Gneis - das uralte Problem erscheint in immer neuen Abwandlungen. Wer in seinem undurchsichtigen Gestrüpp geologisch gehen gelernt, der, sollte man denken, kann es fürs Leben. Zwei Sommer und Herbste sind der Durchforschung eines der vergessenen Winkel des Böhmer Waldes vorbehalten. Die Zeit ist arm und hungrig. Das Geld aus Berlin ist in Passau nur noch Papier (Anmerkung: Inflationszeit!). Man kaut an einem Brocken Brot den ganzen Tag und merkt es nicht einmal, denn der Felsgrund strotzt vor Üppigkeit und in den Steinbrüchen jagen sich die Aufgaben, spielen die Steine Verstecken und Wiederfinden, narrt den Ratlosen, beglückt den Entdecker das Echo seiner tastenden Fragen. Peter ist auf der Jagd nach "Dioritchen". Das dichte schieferfarbene Gestein liegt sauber wie Tropfen im weißen Granitbett. In jedem Tropfen hat gerade ein Steinbruch Platz, der ihn abbaut für den Straßenbauer, aufbricht und bloßlegt für den jungen Forscher, der sich mit Zeichnungen den Kopf und mit Handstücken den Rucksack schwer macht. Abends aber erwartet die Übermüdeten Mutter Ilg in ihrer niederen Gaststube in Röhrnbach mit einer dampfenden Platte. Heute liegt Frau Ilg auf dem Friedhof unter dem Zwiebelturm der Dorfkirche. Aber die geistigen Früchte jener entbehrungsreichen Wanderungen stehen als bild und Wort auf den Bücherbrettern der Geologie."

Hans Cloos, sein Bruder Ernst (1898-1974), Robert Balk (1899-1955) und Hermann Scholtz (1899-1985), alle drei Doktoranden am Geologischen Institut der Universität Breslau, wohnten damals im Gasthof "Zum Hofwirt" in Röhrnbach, einem Marktort zwischen den Städten Freyung und Waldkirchen im Bayerischen Wald (damals noch geographisch als Böhmerwald bezeichnet) gelegen. Die Geländearbeiten und die Publikationen darüber erbrachten neue Erkenntnisse in der Granittektonik nicht nur von regionaler (Fig. 1), sondern auch von allgemeiner Bedeutung. Auf Anregung von H. Cloos griff F.K. Drescher-(Kaden) die Vorkommen der Diorite von Fürstenstein heraus, um sie eingehend tektonisch, gefügekundlich und mikroskopisch zu bearbeiten. Seine Ansichten einer Genese der Diorite als Assimilationsprodukte aus Gneisen wurden von Scholtz (1927) bestritten, der eine Deutung als Erstarrungsgesteine aus Differentiation vertrat.

Fig. 1 Das Schild der Prof.-Cloos-Straße im kleinen Marktort Röhrnbach im Moldanubikum des Passauer Waldes. Anstifter Fritz A Pfaffl (Zwiesel)

Alle diese neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Granit- und Diorit-Genese und Tektonik, die vom Röhrnbacher Geologenquartier ausgingen und die Beschreibung der "hungrigen Zeit" dort im "Gespräch mit der Erde" wiedergegeben, waren somit mein berechtigtes Anliegen an die Marktgemeindeverwaltung in Röhrnbach, dort eine Straße nach dem berühmten Geologen Hans Cloos zu benennen. In der regionalen Zeitung wurde über die Straßenbenennung ausführlich bereichtet und die Gymnasiasten zum Studium der Geologie aufgerufen.

F.A. Pfaffl, Dachverband der Naturwissenschaftl. Vereinigungen Deutschlands, Pfarrer-Fürst-Straße 10, 94227 Zwiesel

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Referenzen

Cloos H, Balk E, Cloos E, Scholtz H (1927) Die Plutone des Passauer Waldes.
Ihr Bau und Werdegang und ihre innere Tektonik. Mono-
graphien zur Geologie und Palaeontologie Serie II Heft 3

Cloos H (1947) Gespräch mit der Erde, Geologische Welt- und Lebensfahrt.
Piper-Verlag München, Büchergilde Gutenberg Frankfurt/M
389 Seiten

Pfaffl F (1992) Vor 70 Jahren: geologische Forschungsarbeiten von Hans Cloos und seiner Schule im Bayerischen Wald.
Der Bayerische Wald 27: 4-5

Pfaffl F (1999) Die Rolle der Kollberger Klippen bei Röhrnbach (Passauer Wald) in der Granittektonik von Hans Cloos (1922/23). Der Bayerische Wald 41: 8-10

Pfaffl F (1999) Die geologische Exkursion in den Passauer Wald. Der Bayerische Wald 41: 13-14.

 

 
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