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Nachruf auf Prof. Dr. Dr. h.c. mult. German Müller PDF Print E-mail

Nachruf

auf Herrn Prof. Dr. Dr. h. c. mult. German Müller

Am 21.12.2007 ist unser Kollege German Müller aus Heidelberg im Alter von 77 Jahren verstorben. Zusammen mit der Familie – mit seiner Frau und seinen Angehörigen, 11 Kindern und über 50 Enkeln und Enkelinnen – trauern wir um einen national und international hoch angesehenen Kollegen, der das Gebiet der anorganischen Umweltgeochemie in Deutschland entwickelt und bahnbrechende und wegweisende Untersuchungen zu umweltrelevanten anorganischen Nähr- und Schadstoffen in Böden, in Sedimenten und im Wasser publiziert hat.

German Müller studierte von 1948 bis 1952 in Köln und Bonn Mineralogie und Geologie. Er promovierte 1952 in Bonn und arbeitete danach mehrere Jahre im Ausland in der Ölindustrie. In die Wissenschaft kehrte er 1959 als Assistent an der Universität Tübingen zurück, wo er sich 1961 auch habilitierte und danach einen Ruf an der Universität Heidelberg annahm. Er gründete 1972 das Institut für Sedimentforschung, das später in „Institut für Umweltgeochemie“ umbenannt wurde. Mit dem Ansatz, fossile Sedimentgesteine besser zu interpretieren, untersuchte German Müller rezente Sedimente. Durch die Beschreibung des allgemeinen Gewässerzustands mit dem Nachweis anthropogener Einflüsse entwickelte er die geobezogenen Umweltwissenschaften als aktuelles und breites Forschungsgebiet. Mit der geochemischen Kartierung der wichtigen Flusssysteme, zunächst in den alten Bundesländern und nach 1989 auch der hoch belasteten Flüssen und Seen in den neuen Bundesländern, entwickelte German Müller einen völlig neuen Forschungsbereich. Mit den in Deutschland gewonnenen Erfahrungen bearbeitete er auch größere Projekte in Brasilien, China, Jugoslawien und Russland. Es lag ihm am Herzen, auf fortschreitende Gewässerbelastungen mit Schwermetallen und organischen Kontaminanden hinzuweisen.

Auch nach seiner Emeritierung im Jahr 1998 war German Müller mit seiner Arbeitsgruppe anorganische Umweltgeochemie an vielen Projekten beteiligt, z. B. in einem Wolga-Rhein-Projekt, am Monitoring von Grundwasser und Bodenverschmutzung im Gaza-Streifen, bei der Schwermetallkartierung von kleinen und mittleren Fließgewässern in Baden-Württemberg, beim Eintrag und Verbleib von Nähr- und Schadstoffen aus einem Mittelgebirgseinzugsgebiet in einen Flachsee oder bei der Akkumulation und Umwandlung von Quecksilber in tropischen Flüssen und Feuchtgebieten in Brasilien.

Neben vielen Diplomanden betreute German Müller über hundert Doktoranden und zehn Habilitanden. Seine Forschungsergebnisse dokumentierte er in über dreihundert Publikationen. Jeder, der German Müller kannte, war von seiner Dynamik und seinem rastlosen Einsatz für seine Wissenschaft beeindruckt. Für seine wegweisenden Arbeiten hat er viele Ehrungen erhalten, u. a. 1999 die „Gustav-Steinmann-Medaille“ der Geologischen Vereinigung.

Im vorletzten Sommer traf ich ihn im Anschluss an einen Vortrag in Heidelberg, und German Müller war voller neuer Ideen. Mit seinem Tatendrang hätte er sicher noch viele davon realisiert, wenn der Tod ihn nicht aus unseren Reihen gerissen hätte. Wir werden sein Andenken in Ehren halten.

Gerold Wefer
Vorsitzender der Geologischen Vereinigung

 
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