| Brief des Vorsitzenden aus GMit 21 |
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GMit 21, September 2005 Liebe Kolleginnen und Kollegen, am 26. Dezember 2004 wurde die Welt wieder mal daran erinnert, welche Gewalten in der Erde stecken und welchen Gefahren die Menschheit ausgesetzt ist. Ausgelöst durch ein untermeerisches Erdbeben, entwickelte sich eine riesige Tsunami-Welle, die die flachen Gebiete der an den Sundabogen angrenzenden Regionen überflutet haben, insbesondere Teile von Indonesien, Thailand, Sri Lanka und Indien. Dieses Ereignis zeigt, wie hilflos wir diesen Naturgewalten ausgesetzt sind. Es ist jedoch zu hoffen, dass durch bessere Kenntnisse der plattentektonischen Prozesse und durch ein Frühwarnsystem die Schäden und das Leid in Zukunft gemindert werden können. Sofort nach dem Ereignis hat die Bundesregierung den Anrainerstaaten des Indischen Ozeans angeboten, gemeinsam ein Tsunami-Frühwarnsystem zu entwickeln. Das Projekt wird von dem GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) koordiniert. Beteiligt sind das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI), das GKSS-Forschungszentrum, Geesthacht, die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover (BGR) sowie mehrere meereswissenschaftliche Institute, die im „Konsortium Deutsche Meeresforschung“ (KDM) zusammengefasst sind. Das geplante Tsunami-Frühwarnsystem für den Indischen Ozean, das später auch auf den Mittelmeerraum und den Atlantik ausgedehnt werden soll, ist Teil eines globalen Systems, das auch andere Naturkatastrophen wie Erdbeben, Vulkanausbrüche und Überschwemmungen mit erfassen soll. Es nutzt ein terrestrisches und marines Beobachtungsnetz der Seismologie, Geodäsie sowie Satellitenbeobachtungen. Das deutsche Vorhaben kooperiert insbesondere mit Indonesien, weil dieses Land wegen des aktiven Sundabogens am stärksten von katastrophalen Tsunami-Ereignissen betroffen ist. Das geplante Frühwarnsystem für den Indischen Ozean besteht aus mehreren Komponenten: Erdbeben-Monitoring zur schnellen Lokalisierung eines Bebens und Feststellung der Stärke, Erkennung eines möglichen Tsunami sowie Modellierung und Simulation eines Tsunami. Die Daten der Beobachtungsstation speisen unterschiedliche Datenzentren, in denen die Bewertung und Simulation von Tsunami vorgenommen werden. Die beteiligten Partnerländer sollen auch beim Aufbau einer Infrastruktur und dem Training von lokalen Fachleuten unterstützt werden. Für den Aufbau dieses Systems sind vier Jahre vorgesehen. Bereits im Herbst/Frühwinter 2005 sollen die ersten Verankerungen ausgebracht, und es soll mit den Vermessungsarbeiten im Küstenraum vor Indonesien begonnen werden. Für Ende 2007 ist die Funktionsfähigkeit des technischen Systems vorgesehen und Ende 2009 soll das Gesamtsystem an Indonesien übergeben werden. Nähere Informationen sind unter www.gfz.potsdam.de einzusehen. Neue Möglichkeiten bieten sich an den Universitäten durch die Exzellenz-Initiative von Bund und Ländern, die nach langen Verhandlungen endlich auf den Weg gebracht wurde. Sie zielt darauf ab, gleichermaßen Spitzenforschung und die Anhebung der Qualität des Hochschul- und Wissenschaftsstandortes Deutschland in der Breite zu fördern und insbesondere seine internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Bund und Länder stellen dafür für fünf Jahre insgesamt 1,9 Milliarden Euro zusätzliche Mittel zur Verfügung. Mit der Durchführung des Programms wurde die Deutsche Forschungsgemeinschaft beauftragt. Die Mittel sind vorgesehen für die Finanzierung von Bis zum 1. August sollen die Universitäten Absichtserklärungen abgeben, ob sie sich an dem Programm beteiligen und bis zum 30. September 2005 sind Projektskizzen im Umfang von ca. 25 Seiten für die Beantragung von Graduiertenschulen und Exzellenzclustern einzureichen. Eine gemeinsame Kommission von DFG und Wissenschaftsrat wählt Erfolg versprechende Projekte aus, die zur Antragstellung aufgefordert werden. Die Entscheidung für die Förderung soll im Oktober 2006 erfolgen. Eine zweite Runde an Bewilligungen ist für das Jahr 2007 vorgesehen. Ich hoffe, dass sich viele geowissenschaftliche Fachbereiche an dieser Initiative beteiligen und Graduiertenschulen und Exzellenzcluster beantragen. Durch die fächerübergreifende Themen und bereits detaillierte Forschungsverbunde sind die Geowissenschaften nach meiner Ansicht besonders geeignet, sich an dem Programm zu beteiligen. Neue Möglichkeiten zur Verbreitung von wissenschaftlichen Ergebnissen bietet das Internetportal www.g-o.de (geoscience-online.de). Es ist eine ausgezeichnete Plattform, um einen Überblick über die Entwicklung der Geowissenschaften zu bekommen. Sie können sich dort nicht nur informieren, sondern auch selbst Beiträge an die Redaktion von geoscience-online.de schicken. Sie bietet auch die Mithilfe bei der redaktionellen Bearbeitung der Inhalte an. Die Vorbereitungen für die nächste GV-Tagung mit dem Thema „System Earth Biosphere Coupling“, die vom 24. – 29. September 2005 in Erlangen stattfinden wird, laufen auf vollen Touren. Nach Auskunft von Herrn Kollegen Freiwald ist eine hohe Zahl von Zusammenfassungen für Vorträge und Poster eingegangen. Auch hatten sich bis zum 10. Juli schon über 300 Teilnehmer angemeldet. Es wird also eine sehr gut besuchte Tagung geben. Hinweisen möchte ich auf die folgenden Tagungen, die ebenfalls Ende September stattfinden werden: im Jahr 2006 in Potsdam unter dem Thema: „Oberflächenprozesse“ und im Jahr 2007 in Bremen. Ich wünsche einen schönen Urlaub oder erfolgreiche Feldarbeit. In der Erwartung, hoffentlich viele von Ihnen auf der Jahrestagung in Erlangen zu treffen, verbleibe ich mit besten Grüßen Ihr Gerold Wefer |
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